Janin Pisarek

Kulturwissenschaftlerin, Erzählforscherin, Autorin


Main focus: Erzählforschung

Social Media:

Languages: German, English

City: Jena

State: Thuringia

Country: Germany

Services: Talk, Moderation, Workshop management, Consulting, Interview

  Willing to travel for an event.

  Willing to talk for nonprofit.

Personal note:

Gerne arbeite ich mich nach Absprache auch in neue Themen ein.

Bio:

Janin Pisarek studierte Volkskunde (Empirische Kulturwissenschaften)/Kulturgeschichte und Erziehungswissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In ihrer Abschlussarbeit über die Angst vor dem Wolf widmete sie sich seiner Kulturgeschichte, dem Wolf als Narrativ und untersuchte mit ihm verbundene Volksglaubensvorstellungen im Kontext seiner aktuellen Rückkehr.

Die in Jena studierte Thüringerin ist Vizepräsidentin der Europäischen Märchengesellschaft, Mitglied der Kommission für Erzählforschung der Deutschen Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft, der Fachgruppe Wissenschaft der Schweizerischen Märchengesellschaft, berufenes Ausschussmitglied der Volkskundlichen Kommission Thüringen und langjähriges Jurymitglied der Kulturnadel des Freistaats Thüringen.

Pisareks Hauptinteresse gilt der volkskundlich historisch-vergleichenden Erzählforschung mit besonderen Schwerpunkten auf europäischen Zaubermärchen, dämonologischen Sagen und Sagengestalten des deutschsprachigen Raumes sowie dem biografischen Erzählen. In diesen Bereichen ist sie vielseitig publizistisch aktiv, wie für den Märchenspiegel. Zeitschrift für internationale Märchenforschung und Märchenpflege, den österreichischen Leiermann Verlag oder die Reihe Exeter New Approaches to Legend, Folklore and Popular Belief der University of Exeter Press. Im Böhlau Verlag sind in ihrer Co-Autorenschaft zwei interdisziplinäre Bücher über Hausgeister und Fabeltiere der deutschsprachigen Märchen und Sagen erschienen.

Auf Arbeitspraxis in verschiedenen Museen folgten Projektmanagerstellen im Bereich der Biografiearbeit und Kulturellen Bildung. Aktuell ist sie im Feld Wissenschaftsmanagement und Wissenschaftskommunikation an einer Hochschule tätig.

Examples of previous talks / appearances:

Vortrag

Geschichten mit Biss. Was steckt hinter dem Mythos Werwolf?

Mit dem Vollmond kommt auch der Werwolf. So ist die aus der Populärkultur resultierende Vorstellung. Weitab der Filmindustrie, in den Volkserzählungen gestaltet sich die Suche nach dem Menschen, der sich im Zusammenhang mit den Mondzyklen in einen Wolf verwandelt, jedoch schwierig. Die Transformation in einen Wolf als eine der populärsten Tierverwandlungen geschieht häufig unfreiwillig durch Geburtszeichen, Flüche, Verwünschung oder Verzauberung. Dabei muss die Gestalt des Wolfes nicht zwangsläufig aus dem Charakter eines Menschen resultieren, gleichwohl kann jedoch der Wolf in der europäischen Kulturgeschichte symbolisch und charakteristisch für einen gierigen oder grausamen Menschen stehen. Seltener vertreten sind dagegen Erzählungen von Menschen, die sich freiwillig und selbstständig in einen Wolf verwandeln. Sie benötigen für ihre Transformation (magische) Hilfsgegenstände und rituelle Handlungen. In der Vorstellung vom Werwolf zeigt sich ganz deutlich das Vermischen von biologischer Wirklichkeit, sozialer Realität, psychologischen Projektionen und kulturgeschichtlichen Tradierungen. Der Ursprung weist mythologisch-antike Herkunftsmuster auf und liegt in der oralen Tradition. Anhand dieser Überlieferungen sollen die Verwandlungstypen und das Wesen des Werwolfs dargestellt werden.

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„Man-Sized Bird, Creature, Something“ Zwischen regionaler Folklore und medialem Massenphänomen

10. Tagung der Kommission für Erzählforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv): „Verschwörungserzählungen“, Zäziwil/Schweiz, 05.09. –08.09.2018

Erzählungen über humanoide Mischwesen ziehen sich seit Jahrhunderten global durch alle Erzählgattungen bis in die heutige Populärkultur. Dabei werden ihr Auftreten und ihre Darstellung stets aktuellen medialen Erzählformen angepasst und wurden keinesfalls immer als rein fiktiv empfunden, wie Menschenfresser oder Hundsköpfige aus Reiseberichten und Flugblättern der Frühen Neuzeit. Gerade die modernen (Massen-)Medien fördern aufgrund ihrer Aktualität und Interaktivität die Entstehung und Verbreitung von Narrativen (online storytelling), wie es auch die Figur des Slenderman gezeigt hat.
Unsere heutige Welt bringt ständig neue technische Errungenschaften hervor. Mit diesen Neuerungen in unserem Alltagsleben gehen Hoffnungen und Wünsche, aber auch Befürchtungen und Ängste einher, die ihren Ausdruck in Erzählungen, Geschichten, Mutmaßungen und Gerüchten finden. (Verschwörungs-)Theorien liefern Antworten auf Missstände und Schicksalsschläge, entwickeln und verbreiten sich rasend schnell via Social Media und profitieren vom Vertrauensverlust in die etablierten Medien. Durch Figuren wie den Mothman werden moderne Arten des „Erzählens“ und deren folkloristisches Potential deutlich. An seiner Erschaffung und Verbreitung sowie dem Umgang mit ihm lassen sich Merkmale moderner, folkloristischer Praxis aufweisen und Entwicklungen von Zeitungssage, über Gerücht bis hin zur Verschwörungstheorie verfolgen. Er ist ein Beispiel für die gesellschaftliche Relevanz folkloristischer Erzählformen im Internet, zeigt umgekehrt die Bedeutung des Internets für die Kulturtechnik Erzählen und verdeutlicht die Eigendynamik, die sich aus dem Zusammenspiel von Faszination, Misstrauen und moderner Technik entwickeln kann.

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